Ortsschild
Nauholz lebt:  Anekdoten

Anekdoten:

Holzklau

Von einem Vorratshaufen mit gesägtem Haubergs-Brennholz verschwand nach und nach eine große Menge, ohne dass der Besitzer etwas dagegen tun konnte. Er verdächtigte allerdings seine Nachbarn. „Die simmr nett katzegroo!“ Mit einem Bohrer und verklebten Sägespänen wurde ein kleiner Sprengsatz in ein schönes Holzstück verbracht. Der Herd des Nachbarn wurde zerstört. „Sost ess awwr wieer nix bassiert.“

Nikotin

Eine beliebte und sehr arbeitsame Frau aus Nauholz hatte eine ungewöhnliche Leidenschaft. Sie sammelte Zigaretten und besonders gerne Zigarrenstummeln, die von den rauchenden Männern des Dorfes weggeworfen worden waren. Obwohl dies stets heimlich geschah, wussten alle im Ort, dass die rüstige Bauernsfrau gerne den zerbröselten Tabak „brümmte“. Häufig wurde sie von ungezogenen Dorfjugendlichen mit angebundenen und ausgelegten Stummeln gehänselt, die dann, wenn sie sich bückte, schnell weggezogen wurden. „Ihr verdorwene Jongedenger!“
Übrigens: Die Frau wurde mit ihrem Nikotinhobby über 90 Jahre alt.

Gullches

Ein beliebtes Nauholzer Hobby für Kinder war das „Gullches“ oder auch „Güllches fahren“.
Holzstücke, Töpfe, Plastikgefäße oder sonstige als „Bötche“ oder „Scheffche“ umfunktionierte schwimmbare Gegenstände wurden mit oder ohne Anbindung oberhalb des Dorfes in den Nauholzbach geworfen und während ihrer Fahrt durchs Dorf verfolgt. Es wurden auch Wettrennen bis fast bis nach Brauersdorf veranstaltet. Da der Bach natürlich und noch unverbaut floss, war dies oft eine spannende und manchmal auch feuchte Angelegenheit.

Aufregung bescherte das Gullchesspielen am 2.Weihnachtstag 1967. Es war für die Nauholzer das letzte Weihnachten vor dem Ende des Dorfes. Eine recht bedrückte Weihnachts-gesellschaft bei Fuhrmanns wurde gegen 18.00 Uhr durch lautes Muhen des im Stall ange-bundenen Viehs aufgeschreckt. Der durch Schmelzwasser angeschwollene Bach war über die Ufer getreten, hatte bereits die Bleiche und Teile des Gartens überschwemmt und drohte in den Kuhstall einzudringen. Mit einem großen, leeren Ölfass, das bei dem Umzug von Gräwenersch zurückgeblieben war, hatten „Jongedenger“ Gullches gespielt und es nicht weit genug vom Bach wieder abgelegt. Das Fass wurde mitgerissen und verhakte sich unter der Brücke bei Hölzersch. Die schnell gebildete Verstopfung unter der Brücke staute den Bach.

Mit vereinten Kräften gelang es den verbliebenen Nauholzern das verklemmte Fass mit Holzstangen loszubringen. Es schoss mit großer Geschwindigkeit auf der Flutwelle davon und fand sich nie mehr wieder. Wer waren die verantwortlichen „Jongedenger“? „Mir wessenet, awwr mir veroore nix!“

Schott

Hoffmanns Karl war der langjährige Jagdaufseher in Nauholz und er kannte sein über 500 Hektar großes Revier wie wohl kein anderer. Wenn das Büchsenlicht gut war, verließ „Onkel Karl“ seine Kammer in Hoffmanns Haus und ging auf die Pirsch. Im grünen Loden-Outfit mit Flinte gehörte er genauso zum Dorfbild wie in seiner Landwirtskluft oder im Imker-Schutzanzug beim „Bennhuss“.

Eines frühen Morgens wollte Karl auf einen Hochsitz und ging die Dorfstraße entlang. “Ech wohr so i Gedange,“ als urplötzlich ein gelblicher Flüssigkeits-schwall über seinen Kopf hinweg sich in den „Schossegrawe“ ergoss. „Dä Schott spratze rechdich und ett feng ah ze stenge!“

Der knapp verfehlte Waidmann konnte den Sachverhalt schnell klären: In Zeiten der im Hof gelegenen „Plumpsklos“ benutzte man gerne den Nachttopf im Schlafzimmer und dieser wurde offensichtlich mit Schwung in aller Frühe in den Straßengraben entleert. Eine gezielt Attacke?

„Näh, dett hätt nehmes extra gemacht!“

Geschonkt

Beim Aufräumen am Sonntag Morgen nach dem Brämchesfest erfährt man nette Nauholzer Geschichten. Diese erzählte Krämersch Karl, der leider so früh verstorbene ehemalige Vorsteher der Waldgenossenschaft:

Es war in den Fünfziger Jahren als man auch in Nauholz mit einem kleinen Auto noch großen Eindruck machen konnte.

Ein älterer Mann „uss dr Schdatt“ besuchte gelegentlich den renommierten Dorfgasthof „Jägerheim“. Bei Hölzersch verkehrten natürlich auch die „Jongedenger“ aus dem Dorf. Eines Abends tauchte der Stadtmensch in Begleitung einer sehr jungen und sehr attraktiven Frau auf, die er offensichtlich mit seinem Kleinwagen becirct hatte. Die (neidische ?) Neugier der männlichen Dorfjugend war geweckt.

Man empfand den Altersunterschied und das Geprotze als unangemessen und beschloss, den „Seejener Bömbes“ mit seinem „Mädche“ im Auge zu behalten.

Eines Abend entdeckte ein Nauholzer „Jongedenge“ den besagten Wagen auf einem abgelegenen Waldweg stehend und alarmierte seine Kumpel. Man schlich sich an, packte zu mehreren den Wagen und „schonkte“ ihn heftig.

Das so abrupt beendete Schäferstündchen konnte den mobilisierten Galan offensichtlich nicht nachdrücklich abschrecken. Kurze Zeit später entdeckte man nahe der „Eichewassersch Kohr“ den Wagen erneut. Das zweite „Schonke“ wurde erst kurz vor dem Umkippen des Fahrzeugs abgebrochen. „Die Schiew worne va enne beschläh!“ Trotzdem gelang dem gestörten Pärchen die unfallfreie Flucht. „Die hammr i Nauholze nie nommo geseh!“

Sex im Alter

Anschaulichkeit kann man bei heiklen Themen auch mit deftigen Landwirtschaftsmetaphern erreichen. Niklauses Alma schuf erst neulich ein treffendes Wortbild:
Ein beliebter 77-jähriger Witwer feierte mit seiner neuen Partnerin Geburtstag, als eine Bekannte sich an diese mit der Frage wandte: "Darf ech ´n mo dröcke?"
Antwort der Partnerin: "Jo, awwer net ze lang!"
Alma aus dem Hintergrund: "Hä ess doch froh, derre genooch Häij for änn Zäij hätt."
Nach dem Gelächter meinte eine weitere Seniorin zur verwitweten Alma: "Du häst je och käng Häij.
"Rechdich! Ech warde obd Grommet!"

 

Sööches

Es war wohl das beliebteste Kinderspiel in Nauholz und wurde auch von 14-16-Jährigen noch gerne mitgemacht. Sööches, das dorfweite Suchspiel in Gruppen, meist Ober- gegen Unterdorf. Es gab mehrere Varianten. Oft erstreckte sich eine Runde über viele Stunden und endete erst mit dem Abendruf der besorgten Mütter. Jede Familie hatte einen typischen Laut, vom grellen Pfiff, Topfschlagen bis zum schrillen Namensruf. Alsbaldiger Spielabbruch und Heimkehr waren angesagt.

Die verwinkelten Bauernhäuser mit den vielen Schuppen boten ideale Verstecke. Auch das leerstehende Wandervögels-Haus, der Dreschschuppen und die Backhäuser wurden gerne aufgesucht. Gefahren lauerten auf schlecht gesicherten Dachböden mit Stroh und Heuschächten. Verraten wurde man oft durch aufgescheuchtes und Laut gebendes (Feder)-Vieh.

Eine hysterische Hühnerschar in Waises großem Hinterhaus wurde mit "Schscht, sidd doch rööch!" zwar tatsächlich zur Ruhe gebracht, hellhörige Verfolger waren aber schon fündig geworden. Die Suchenden mussten strategisch vorgehen und gewannen stets auch durch die im Laufe der vielen Spiele gewonnenen genauen Ortskenntnisse. Die besten Verstecke waren bald keine mehr.

Einmal hat allerdings ein Versteckter gewonnen. Unter einer umgekippten Schweineschlacht-wanne in Henneries Schuppen wurde er nicht aufgestöbert. Auch der mütterliche Abendruf wurde im Versteck nicht vernommen. Erst die besorgten Suchrufe der Verfolger -beim "Sööches" ein Ding der Unmöglichkeit - ließ den Versteckten unter der muffigen Wanne hervorkommen.

Das "Sööches-Spiel" erlebte mit dem schrittweisen Leerzug der Häuser in den Jahren 1965 bis 1968 eine Blütezeit. Irgendwann waren zu wenig Kinder und zu viele Verstecke da.

"Ett hätt du einfach känn Spaß meh gemacht."

Schmuckverständnis

Auch in Nauholz legte die Damenwelt Wert auf ein gepflegtes Aussehen. Ein Mädchen im zarten Altersabschnitt der frühen Pubertät fragte ihren Vater mit kindlichem Charme:

"Ich habe genug Geld gespart. Ich will mir ein schönes Halskettchen kaufen. Das darf ich doch?!"

Die Erwiderung des Landwirts ist vielleicht doch Siegerland-typisch:

"Go i de Köstaal! Do hänge genooch Kärre!"

Kuchenklau

Anlässlich einer Hochzeit wurde unlängst eine Geschichte aus dem Anfang der 50er Jahre erzählt:
Im kühlen Keller des Hochzeiterhauses hatte man die Bleche mit dem Hochzeitskuchen am Vorabend der Feierlichkeiten deponiert. Es war wohl der verführerische Duft, der die berüchtigten "Jongedenger" auf den Plan riefen. Ohne in den Keller einzubrechen gelang es ihnen den gesamten Hochzeitskuchen zu entwenden. Wie das?

"Sie hadde ussem Backes die Schösseln gehoält!" Mit diesen Holzgeräten wurden normalerweise die Brotlaibe in die vorgeheizte Ofenhöhle des Backhauses verbracht und die fertigen Brote wieder herausgeholt. "Backesschösseln" gleichen einer Holzhand mit langer Stange.

Nachdem die schelmischen Dorfjungen die Kuchenbleche und Tortenteller aus dem offengelassenen Kellerfenster balanciert und in der Dunkelheit in Sicherheit gebracht hatten, wurde natürlich genascht. Trotzdem geriet die Hochzeit nicht in Gefahr. Gegen eine angemessene Auslösung wurde der immer noch ausreichende "Restkuchen" an die Hochzeiter zurückge-geben. Man hatte ja eigentlich gar keinen Hunger auf Kuchen. "Dätt Geld hammer vrdronke!"

Mestwage

Die Geschichte vom Schanzenwagen im Backes, die uns Möllersch Ewald aus den 30er Jahren erzählte, fand ca. 20 Jahre später eine anrüchige Wiederholung.

Im Rahmen eines nächtlichen Polterabend-Streiches waren es natürlich die "vrdorwene Jongedenger", die einen hölzernen Wagen demontierten und auf dem Dach des Hochzeit-erhauses wieder zusammensetzten. Schanzen verladen war ja schon anstrengend - aber diese Landung war doch anspruchsvoller.

"Gawl ömm Gawl mosste mr däh Mest robbarwe onn werre schüür vrlaare."

Diese schweißtreibende Arbeit musste unter höchster Konzentration in stockdunkler Nacht ohne Lärm durchgeführt werden. Es gelang und als eine Nachbarsfrau am frühen Morgen die Milchkannen zur Milchrampe brachte, lief die Nachricht durchs Dorf.

Einer konnte die Täter nicht bewundern: Da man die Gäste ja nicht mit einem Mistwagen auf dem Dach begrüßen konnte, musste der Bräutigam in spe alles wieder verschwinden lassen.

"Enn waane Mestarwett!"

Frelln

Der muntere Nauholzbach, dessen Wassersicherheit den Plan der Talsperre schließlich gedeihen ließ, war als optimales Ökotop Heimat vieler Bach- und Regenbogenforellen.

Das Recht, diese leckeren Fische zu fangen, gehörte zur Jagdpacht und stand somit eigentlich dem Jagdpächter zu. "Ech ässe eigentlich öwerhaubt känn Fösch, awwer son schüürne gebroorene Frell..." meinte sogar Fuhrmanns Wilhelm. "Frelln" war nicht nur der Name für Forellen, sondern meinte auch das Verb für "Forellen mit der Hand aus dem Bach fangen": Jeder Nauholzer Fischfreund hatte genaue Kenntnisse über Vorkommen und Versteck der kapitalsten Tiere, die am liebsten in einem "Pohl" unter Ufersteinen hausten.

Niklauses Hermann beherrschte die Kunst des "Frellns" meisterhaft und nur selten entwischte ihm eine der glitschigen Fösche. Auch der versehentliche Fang einer Wasserratte konnte einem das Frelln nicht verleiden. Mit gekonntem Griff wurde die Beute am Ufer waidgerecht getötet und in einem Pestwurz-Hut nach Hause transportiert. Dort wurde er zumeist mit Butter in der Pfanne gebraten.

An einem Sommertag Mitte der Sechziger war Hermanns Tante Elfriede aus Berlin zu Besuch und hatte für die bei der Ernte tätige Niklauses Alma die Küchenarbeit übernommen. Ein paar Jongedenger aus dem Oberdorf hatten einen "schweren Fosch" im Pohl unterhalb von Niklauses Brücke entdeckt und tatsächlich ohne Hilfe des Experten Hermann gefangen. Das waidgerechte Töten wurde erst gar nicht versucht und die zappelnde Beute der zunächst konsternierten Berlinerin präsentiert. Dem Spülbecken wäre der Frell fast entkommen.

"Dett aarme Vieh" wurde dann kurzerhand mit einem Holzlöffel, leider völlig unwaidmännisch, erschlagen. "Schmeckt juut, wah!"

Im Sommer 1971 zelteten einige Nauholzer Jonge "vorm Stoß". Die Vorsperre hatte man schon angestaut und das zerstörte Dorf war kaum von der Natur vernarbt. "Mir hadde waane gefrellt!" In einem Plastikeimer ruhten die ca. 12 völlig waidgerecht gefangenen Forellen unter einer überhängenden "Braas" im Bach, als der damalige Assistent des Jagdpächters an die Campergruppe herantrat.

"Mir hann doch net gefrellt?" "Nääh!" "Da ess je olles klar!" Er entfernte sich, ohne die in 3 Meter Entfernung deponierten Tiere zu entdecken.

Damit endete das Kapitel "Frelln" in Nauholz. Um die ausgesetzten Fischbruten in der Talsperre für die zahlenden Anglervereine zu schonen, wurden die Forellen, als Raubfische, aus dem Nauholzbach "abgefischt".

Erstaunlich allerdings, dass im Jahre 2000 eine Wandergruppe aus dem Ruhrgebiet beim Pohl an ..... "Äh hömma, ich sach nix weiter von die Fische!"

Kullebätsche         

Zu den Besonderheiten des Nauholzer Tierlebens gehörte neben den Frelln auch der Umgang mit kleinen schwimmenden Tierchen im Nauholzbach und auch in den dazugehörenden "Zuflüssen". Diese heute noch fließenden Bächlein wurden "Wasser", "Baach", "Bäächelcher" oder auch "Römmelcher" genannt.

In manchen dieser Fließgewässer fand man Tiere, die wie große Kaulquappen aussahen. Nicht wenige Nauholzer verwechseln noch heute die Kaulquappen mit den eigentlichen "Kullebätschern". Diese fleischigen Wesen schwirrten durch das glasklare Nass und verlockten vor allem Kinder zur Jagd. Besonders große Einweckgläser ("Iimachsglaaser") und Blecheimer eigneten sich als Transport- möglichkeit und Zwischenlager. Meist wurden die gefangenen Kullebätsche nach genauer Beobachtung wieder freigelassen, da sie sich mangels Masse und genauer Kenntnis nicht als Mahlzeit eigneten. Manchmal soll es vorgekommen sein, dass ein Kullebätscher-Fang im Hühner-stall unter dem gierigen Gehacke der Eierlegerinnen endete.

Offensichtlich sind die Kullebätsche mit Nauholz untergegangen. Heute findet man sie trotz intensiver Suche nicht mehr, obwohl ja die Biotope erhalten blieben. Was sind Kullebätsche? Ist es eine Wels-Art?

Liebe Nauholz-Freunde im Internet! Wenn Ihr eine Antwort wisst, mailt Eure Erkenntnis an unseren Webmaster! "Mir wessenett einfach net."

Kullebätsche II
 
Das „Kullebätsche-Rätsel“ von Nauholz ist gelöst!
Durch Gespräche auf Brämchenfesten und eine jüngste Internetrecherche ist geklärt, dass Kullebätsche eine seltene und bedrohte Fischart sind. Sie haben mit Kaulquappen, den Froschbabys, gar nichts zu tun. Außer einer gewissen Ähnlichkeit…
Die „Groppe“ oder ua. auch „Kaulköpfe“ genannten Fische leben in besten Fließgewässern und waren 1989 und 2006 bereits in Deutschland „Fische des Jahres“. Sie gelten als schlechte Schwimmer!
Letztere Eigenschaft hat den Nauholzer Kindern offensichtlich das Fangen der Fischchen erleichtert. Trotz intensiver Suche konnten jüngst keine Kullebätsche im Nauholzbach mehr gefunden werden.
Hölzersch Annegret berichtet, dass das Verfüttern der Kullebätsche an Hühner zu kleinen bräunlichen Flecken im Ei geführt habe und dadurch auffiel.
Übrigens: Die Google-Suche nach „Kullebätsche“ ergibt nur einen Treffer: nauholz.de

Schnaps onn Schlacke

Möllerschdaubs Friedel schickte uns eine 50 Jahre alte Geschichte in herrlichster Sütterlinschrift. Hier die „Übersetzung“ ins Internet:

„Es war in den 50er Jahren: Mittags um 12 Uhr läutete das Glöckchen.

Es musste Gemeindearbeit gemacht werden. Aus jedem Haus gingen ein oder zwei Menschen mit. Es kam darauf an wie viele Kühe die Leute hatten. Für jede Kuh, die in den Weidekamp ging, musste man vorgegebene Stunden arbeiten.

Na ja, wir gingen zum Dünger streuen! Es war Herbst und auch schon kalt und nass. Wir streuten Schlacke den ganzen Nachmittag lang.

Zwischendurch wurde Kaffee getrunken und es wurde auch viel gelacht dabei.

Hoffmanns Wilhelm war Haubergsrechner und er spendierte uns einen Liter Schnaps. Der wurde noch im Weidekamp getrunken. Danach machten wir uns auf den Heimweg.

„Hinter dem Schewwel“ bei den Tannen in der Kurve machten wir halt.

Haipels Clemens wurde fort geschickt, um bei Hölzersch in der Wirtschaft noch einen Liter zu holen. Den tranken wir dann auch noch.

Dann wurde es aber Zeit, dass wir heim kamen! Ich ging per Arm (!) mit Krämersch Babbe nach Hause. Krämersch Mamme musste mir erst mal einen Kaffee kochen. Als ich die getrunken hatte, gings mir wieder besser und ich konnte nach Hause gehen.

Wir hatten den Nachmittag manchen Zentner Schlacke gestreut, aber wir hatten auch viel Spass gehabt.

Mir sauwe uss wie de Soi!!“

Ewalds Eiche

Frisch in hellem Holz geschnitzt hängt das Schild „Kamel's Eiche“ an diesem unverwechselbaren Baum auf dem Weg zwischen Netphen-Deuz und Nauholz.

Die freundlichen Leute vom Deuzer SGV meinten es gut mit dieser untypisch gekrümmt verwachsenen und von aufschießenden Fichten bedrängten Eiche am Rand des Höhenwanderwegs. Der neu angelegte und gekennzeichnete "Richard-Müller-Weg" läuft hier vorbei. Der seltsame Höcker am Eichenstamm hat eine schöne, jahrzehnte-alte Vorgeschichte:

An einem Sommertag in den 80er Jahren erzählte Möllersch Ewald kurz vor seinem Tod die Geschichte jener Eiche, die eigentlich seinen Namen tragen müsste:
Ewald arbeitete damals („Aafangs va de zwannzier Joor“) bei der Firma Flender in Deuz und fuhr werktags sehr früh mit seinem Fahrrad über den Berg zur Arbeit. Als Scheinwerfer diente ihm eine alte Karbidlampe. An einem düsteren Frühjahrsmorgen, 1921 oder 1922, entdeckte Ewald im Schein der trüben Funzel einen halb ausgerissenen, angebrochenen jungen Eichenstamm quer auf dem Weg. „Ech hannen op Sidde gedoh onn i de Ähr gepackt.“

Erst viel später merkte der Nauholzer Fabrikarbeiter, dass die Eiche wieder an-gewachsen war. Die Bruchstelle wuchs sich zur höckerartigen Sitzgelegenheit aus, auf der manche Kinderfotos entstanden. „Kamelseiche“ war in den 60er Jahren schon ein Begriff.

Also liebe Wanderfreundinnen und –freunde: Achtet auf die Buckeleiche rechts kurz vor Beginn der Großtannen auf dem Deuz-Nauholzer-Höhenweg!
„Ätt mösste doch dä Baum eijendlich Ewalds Eiche haiße!?“
Ewalds Antwort war typisch: „Joo, fräilich, secher, hoe-oe!“

„Backes-Waaje“

Zwischen den Weltkriegen verkaufte mancher Nauholzer Waldbauer seine Produkte in die Stadt. So auch Fuhrmanns Heinerich, der spätere Bürgermeister. Er lud seinen Wagen voller Schanzen (Reisigbündel), um sie dann in Siegen oder Weidenau an Unternehmen als Brennmaterial zu verkaufen.

In mühsamer Arbeit wurden die Schanzen auf den Ochsenwagen gepackt, verzurrt und dann der Wagen neben dem Oberdorf-Backes abgestellt. In der Frühe des nächsten Morgens sollte der Ochse angespannt und der Transport „i de Schdatt“ losgehen.
Der schwergewichtige Landwirt hatte allerdings eines Tages seine Rechnung ohne die „Verdorweheit“ einiger Jongedenger aus dem Dorf gemacht.

Nachts wurde die Verzurrung gelöst, alle Schanzen heimlich still und leise abgeladen und das Ochsen-Fuhrwek fachgerecht in kleine Einzelteile zerlegt.

Der Innenraum des Backhauses war genau ausreichend. Das hatte man vorher schon ausgemessen. (Der Geometrie-Lehrer muss einen guten Job gemacht haben.) Die Teile des Wagens wurden innerhalb des Backes wieder zusam-mengebaut. Alle Schanzen einzeln nach innen verbracht und erneut verzurrt. „Omm holver sexe“ wollte Heinerich mit seinem Ochsen los und fand seinen Wagen nicht mehr. Lautstark weckte er nicht nur Gattin Emma, sondern das ganze Oberdorf. Erst im Laufe des Vormittags fand man den abfahrbereiten Wagen im Inneren des Backes. Natürlich war der Eingang zu klein, um direkt loszufahren.

Die nächtliche Aktion der Jongedenger musste von Fuhrmanns folgerichtig entsprechend rückgängig gemacht werden. Es kam zu heftigen Zornes-ausbrüchen, bevor mit eintägiger Verspätung die Schanzenfuhre abging.

Über 6 Jahrzehnte später lächelte Möllersch Ewald immer noch schelmisch, als er davon erzählte.
Seine Frau Berta fragte sofort nach: „ Woords du da och so enn Saujong? Woords du och drbii?“
Wie lautete Ewalds spätes Geständnis? „Joo, fräilich, secher, hoe-oe!“

Kööhonnel

Ein aus Sachsen stammender Amateur-Viehhändler aus Deuz hatte einer Nauholzer Familie eine Kuh verkauft, die sich als "Schläger" entpuppte. So nannte man Kühe, die sich beim Melken aggressiv wehrten. Der Nauholzer Schläger war trotz aller Bemühungen der erfahrensten Landwirte einfach nicht zu melken.
Auf den unfairen Kuhhandel angesprochen antwortete der zum Dorforiginal gewordene Düzzer Kööhönnelr: "Ihr wollded ne Fohrguh! Fonn Milschgääbn woor nie die Rääde!"

In einem anderen Fall soll er eine Kuh mit "Pediküre" und Schuhcreme manipuliert haben um sie anschließend lukrativ wieder der ursprünglichen Verkäuferin zurück zu verkaufen.
"Ett könn tatsächlich oos ahl Mohrche sinn!"

Kooche

Die Bauernsfrauen in Nauholz waren nicht nur ehrgeizige Köchinnen sondern auch engagierte Bäckerinnen. Neben dem herrlichen Backesbrot waren kalorienreiche Torten und Kuchenplatten zu feierlichen Anlässen die Spezialität eines Haushaltes.

Anfangs der 60er besuchte eine Nauholzerin ihre Nachbarin, die eine erfahrene Bäckerin war. Es roch nach leckerem Kuchen. Die Hausherrin war offensichtlich mit umfangreichen Putz-arbeiten in ihrer Küche beschäftigt.

"Watt ess da be dier loos?" -
"Ach joo! Hä ess mr nett geroorre onn du wuur ech so roosich und du hann ech'n a de Wand geschmesse. Itz härrre mr och noch als Dreck vrdammt veel Arwett gemacht!"

Schess

In den Dreißiger Jahren machte ein besonders verdorwenes Jongedenge aus dem Unterdorf Nauholz unsicher. Der Jugendliche verbreitete bei kleineren Kindern - wenn auch ohne Grund - oft Angst und Schrecken.

Agnes und Gerda waren auf dem Weg von der Schule in Brauersdorf nach Hause, als ihnen am Schmidthain besagtes Jongedenge entgegen kam. In Panik versuchten die Mädchen den steilen Rain hinauf zu klettern um sich im Unterholz zu verstecken.

Agnes rutschte ab. Beide jungen Damen glitten zurück in den Chausseegraben. Leider befand sich genau an der Landestelle ein umfangreicher Kuhfladen. Frisch! Noch schlimmer als die Verschmutzung blieb das teuflische Gelächter des Jungen in der Erinnerung.

Kwellmänner

Möllerschdaubs Gertrud erzählte in einem Brief folgende „Geschechde“ und bat, „die Name va dä Lüh“ wegzulassen:

Der Vater war gestorben und der Sohn noch klein. Im Frühjahr musste der Hauberg geräumt werden und eine Nauholzer Witwe benötigte die Hilfe eines Nachbarn. Sie versprach ihm ein gutes Abendessen. Ihr Nachbar sagte zu aber er war ein eigenwilliger Geselle. Bei anderen Leuten essen wollte er eigentlich nicht, denn in die Sauberkeit der Witwe hatte er kein Vertrauen.
„Watt sall ech da koche?“ „Kwellmänner onn gekochde Äjer“

Mit gekochten Eiern und Pellkartoffeln schien dem vorsichtigen Nachbarn die Hygiene sichergestellt und er eilte zur Haubergsarbeit.

Die pfiffige Witwe hatte das Misstrauen erkannt und reagierte.
„Am Owend bim Dösch wor olles fein geschält. Det domme Gesechde va dem Mah hädde ech moh gern geseh!“

Olwern söche

Die Suche nach Waldbeeren war bis in die Fünfziger Jahre eine gute Einkommensquelle der Nauholzer. 12 bis 15 Pfennige pro Pfund zahlten die Händler den meist weiblichen Sammlern. Leider wurde häufig „geramscht“ bzw. „gerappt“, mit großen kastenförmigen Holzkämmen wurden die Heidelbeersträucher geplündert. Die Fundstellen waren streng geheim und es kam manchmal sogar zu Streitigkeiten unter den Suchern. Gefäße aller Art kamen zum Einsatz. Auch geraffte Unterröcke nahmen die Früchte auf und es gab blaue Flecke der besonderen Art.

Niklauses Alma erinnert sich, dass sie im hochschwangeren Zustand alle möglichen Gefäße „ömm dä decke Buch bammeln hatte.“

Eines Tages hörte ein junges olwernsöchendes Mädchen das Herannahen eines Menschen, der offensichtlich durch das Gestrüpp streifte. Das konnte nur ein böser Unhold sein! Ängstlich flötete die Vierzehnjährige: „Mein Mann ist bei mir!“ Es war ein Arbeiter aus der Nachbarschaft auf dem Weg zurück ins Dorf.