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Nauholz lebt:  Dorfgedichte

Satirisches Nauholzer Dorfgedicht

So stur wie das Vorurteil meint, sind die Siegerländer gar nicht.
Die Nauholzer jedenfalls nahmen sich in einem lustigen Dorfgedicht selbst auf die Schippe.  Das Gedicht gab es in verschiedenen Variationen. Hier in einer Version, die 1990 auf dem Brämchesfest die Runde machte:

Bi Kloose fänge mr a
I Henneries ess dr schwarze Mah
Bennersch Nummero dräi
Hirte die sinn fräi
Waises Jakob bett dr lange Nas
Hennr Krämersch höppt en Has
Hoffmanns i dr Koor
Möllerschdaubs han en Moor
Gräwenersch loose det Wassr fleese
Fuhrmanns Threßche fängdet bett dr Geeße
Möllersch han veel Rennr
Hölzersch han veel Kennr
Äckerts i dr Meste
Daubs i dr Keste
Holderberchs Obba bett dr Roppelgaas
Klose-Schniersch Obba hätt en Stobbe im Aasch
Haipels Anna ess wunderbar
Dr Fürschdr sääd "Det ess doch klar!"
Stöckebuursch han de Müüs am Broed
Däjeses Karlche kömmt un schläed se doed.

 

Nauholzer Bauernweisheit  

 Wer seine gute Milch verkauft-
und mit den Kindern Wasser sauft-
Wer Butterlieferante ist-
und dauernd Margarine frisst-
Wer schlechtes Auslandsfutter gibt
und nachher klagt um seine Körner-
Der ist ein Ochse ohne Hörner

(c) Henneries Paula 1999

 

Weiter nichts

Ein krummer Weg und alte Eichenwälder.
Ein halb zerfall'ner schräger Weidezaun.
Ein Heuschlag, still und weit. Dahinter Felder, die weltverloren in der Ferne grau'n.
Ein Wald mit Fichten, die den Himmel suchen.
Ein Roggenfeld, auf dem die Sonne glüht.
Ein Bach, der zwischen Wehr und alten Buchen träumend gemächlich seines Weges zieht.
Ein Schuppendach, das fern am Waldessaume von Moos bewachsen altersschwer sich bückt.
Ein kleines Backes, der da wie im Traume, versonnen in die weiten Wälder blickt...
Ein stilles Land mit schweigendem Entsagen.
Ein trüber Streifen fern verblassten Lichts, in den die Erlenstämme dämmernd ragen - und meine Heimat war es.
Weiter nichts.

nach Siegfried von Vegesack

Alte Heimat

In einem dunk'len Tal lag jüngst ich träumend nieder, da sah ich einen Strahl von meiner Heimat wieder.
Auf morgenroter Au war Vaters Haus gelegen, wie war der Himmel blau! Die Flur wie reich an Segen!
Wie war mein Heimatland voll Gold und Rosenhelle! Doch bald der Traum verschwand, Schmerz trat an seine Stelle.
Da irrt' ich weit hinaus ins öde Land voll Sehnen; noch irr' ich, such' das Haus, und find' es nicht vor Tränen.

Justinus Kerner (1786-1862)

Im schönsten Wiesengrunde

Im schönsten Wiesengrunde ist meiner Heimat Haus; da zog ich so manche Stunde ins Tal hinaus.
Refrain: Dich, mein stilles Tal, grüß ich tausendmal! Da zog ich so manche Stunde ins Tal hinaus.

Herab von sonn'ger Halde ein frischer Odem zieht, es klingt aus nahem Walde der Vögel Lied.
Refrain

Wie schön der Knospen Springen, des Taus Kristall im Licht! Wollt ich es allen singen - ich könnt es nicht.
Refrain

Kommt, kommt, der Tisch der Gnaden winkt reichlich überall; kommt, all seid ihr geladen ins stille Tal!
Refrain

Wie froh sind da die Gäste, da ist nicht Leid noch Klag'; da wird zum Friedensfeste ein jeder Tag.
Refrain

Müßt aus dem Tal ich scheiden, wo alles Lust und Klang, das wär mein herbstes Leiden, mein letzter Gang .
Refrain

Sterb ich - in Tales Grunde will ich begraben sein, singt mir zur letzten Stunde beim Abendschein:
"Dir, o stilles Tal, Gruß zum letztenmal!" Singt mir zur letzten Stunde beim Abendschein.

Text: Wilhelm Ganzhorn; Weise: Lilienlied 1833

Bemerkung: Diesen Text schrieb Wilhelm Ganzhorn als er nicht mehr in dieser Gegend wohnte. Er hat hier sehr wahrscheinlich seine Erinnerungen an seine Kindheit niedergeschrieben, in der er viel Zeit auf der Stegmühle seiner Großeltern und seines Onkels in Döffingen am Eingang des Würmtals verbrachte.


Ein schöner Tag

Ein schöner Tag war uns beschert, wie es nicht viele gibt,
von reiner Freude ausgefüllt und Sorgen ungetrübt.

Mit Liedern, die die Lerche singt, so fing der Morgen an,
die Sonne schenkte gold´nen Glanz dem Tag, der dann begann.

Ein schöner Tag voll Harmonie ist wie ein Edelstein,
es strahlt dich an und ruft dir zu, heut sollst du glücklich sein.

Und was das Schicksal dir auch bringt, was immer kommen mag,
es bleibt dir die Erinnerung an einen schönen Tag.

Edith Wagener (Klose-Schniersch)

 


Lied der Wasserflüchtlinge


Ach wie romantisch im Bergesgrund, lagen zwei Dörfchen im Talesgrund,
emsige Bauersleut', derb von Gestalt, pflegten die Felder und auch den Wald.

Staudamm - Staudamm, musst' es soweit kommen, du hast die Heimat allen uns genommen.

Uralte Häuser im Wiesental, und alte Schuppen in grosser Zahl,
wurden von manch starkem Sturm berannt, heut' sind sie alle längst abgebrannt.

Staudamm - Staudamm, wer kann's dir verdenken, du wolltest uns nur neue Häuser schenken.
Schaut euch den Helmut, den Dicken an, das ist doch heut' ein gemachter Mann,
denn er besitzt - nun ich weiss es genau, ein Prunk-Hotel an der Obernau.

Staudamm - Staudamm, warst ihm gut gesonnen, sonst hätte er noch lange kein's bekommen.

"Josef der Erste", der gut regiert, hat auch vom Wässerchen profitiert,
er soll der Star von der "Sandhelle" sein, Nutzen davon hat der Schützenverein,
Staudamm - Staudamm, du wirst es schon sehen, unser Verein wird niemals untergehen.

Heut' soll die Sorge nicht Wasser sein, denn heute trinken wir Bier und Wein,
zwischendurch wird auch ein Schnäpschen geleckt, wenn dann die Stimmung kommt, trinken wir Sekt.

Staudamm - Staudamm, du hast uns gespalten, trotz allem Ärger bleiben wir die "Alten".

(c) Rudi Gross